Fischerweg Portugal: 75 km mit dem Rucksack entlang der wilden Atlantikküste.
- Ralph Filp

- 10. Juni
- 6 Min. Lesezeit
Tag 1

Porto Covo. Hier beginnt unsere Wanderung – an einem der schönsten Küstenwanderwege der Welt. Immer entlang der beeindruckenden Atlantikküste, gemeinsam mit Ana-Maria.

Direkt am Start heißt es: Klettern.

Der Weg ist mit kleinen markierten Pfosten unterwegs gut ausgeschildert. Nur ab und zu müssen wir uns dann doch mit unserem kleinen Reiseführer oder einer App mittels Handy orientieren.

Von Anfang an begleitet uns das stetige Rauschen der Wellen, Sonne und eine leichte Brise. Der Weg führt fast ausschließlich über Sand. Über mehr als 20 Kilometer kämpfen wir uns auf der 1. Etappe durch Dünen und sandige Pfade und müssen immer wieder anhalten, um unsere Schuhe vom Sand zu befreien.

Für die erste Etappe lassen wir uns bewusst Zeit. Insgesamt sind wir heute über acht Stunden unterwegs. Dabei hole ich mir meine ersten kleinen Blasen an den Zehen und einen leichten Sonnenbrand an den Waden – die Stelle, die ich morgens nicht eingecremt hatte. Doch die spektakulären Ausblicke an der Küste entschädigen für alles.

Langsam macht sich nach einigen Stunden Wandern auch das Gewicht unserer Rucksäcke bemerkbar.

Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich unser Tagesziel: Vila Nova de Milfontes. Am Abend kehren wir in ein einfaches, authentisches Restaurant ein, umgeben von Einheimischen. Bei gutem Essen, einem Glas Wein und einem Bier lassen wir den Tag entspannt ausklingen. Danach geht es direkt in unsere kleine, aber feine Unterkunft. Die Beine sind müde, die Eindrücke überwältigend.
Morgen wartet bereits die nächste Etappe auf uns: Weiter geht es dann nach Almograve.
Tag 2
Der Tag beginnt in Vila Nova de Milfontes mit strahlendem Sonnenschein und einem leckeren Frühstück in einer kleinen Cafeteria, umgeben von Einheimischen. Gestärkt machen wir uns auf den Weg zur nächsten Etappe des Fischerwegs. Die ersten fünf Kilometer führen allerdings entlang von Straßen, über eine lange Brücke sowie vorbei an Feldern und Brachland. Dieser Abschnitt kann landschaftlich nicht mit dem Rest des Weges mithalten.

Doch dann erreichen wir wieder die Küste – und sofort zeigt der Fischerweg wieder seine ganze Schönheit. Vor uns liegen traumhafte Ausblicke auf den Atlantik, schroffe Klippen und endlose Sandwege.
Wir trauen unseren Augen kaum: Hoch oben an den steilen Klippen oder weiter unten auf großen Felsen sehen wir vereinzelt Angler mit ihren Angelruten Fische fangen. Ein waghalsiges Unterfangen in mitten von scharfkantigen Felsen und der tosenden Brandung. Die Männer folgen einer langen Tradition. Daher auch der Name: Fischerweg!
Die nächsten zehn Kilometer wandern wir erneut durch tiefen Sand. Jeder Schritt kostet Kraft, und der Rücken von Ana-Maria verspannt sich durch die Last des Rucksacks immer mehr.

Trotzdem bleibt die Stimmung hervorragend, denn die spektakuläre Landschaft entschädigt für jede Anstrengung.

Am späten Nachmittag erreichen wir nach ca. 16 km schließlich Almograve. Der kleine, etwas verschlafene Ort wirkt ruhig und ursprünglich. Neben den wenigen Einheimischen begegnen wir hier vielen asiatischen Bewohnern sowie zahlreichen Wanderern, die – genau wie wir – auf dem Fischerweg unterwegs sind. Zum Abschluss des Tages genießen wir ein herzhaftes Abendessen und ein kühles Bier in einer der wenigen Lokale des Ortes. Müde, aber glücklich lassen wir die Eindrücke des Tages Revue passieren und freuen uns bereits auf die nächste Etappe entlang dieser einzigartigen Küste nach Zambujeira do Mar.
Tag 3
Almograve. Der Morgen beginnt unter einem wolkenverhangenen Himmel. In einem kleinen Café im Ort stärken wir uns mit einem Kaffee und einem Snack, bevor wir uns auf die nächste längere Etappe unserer Wanderung machen. Rund 21 Kilometer liegen vor uns – Ziel ist Zambujeira do Mar.

Zunächst führt der Weg durch Dünenlandschaften mit rötlichem Sand. Die Farben und Formen wirken fast surreal. So ähnlich stelle ich mir die Landschaft auf dem Mars vor. Allmählich scheint die Sonne wieder.

Später verändert sich die Landschaft erneut. Der Weg führt durch einen duftenden Kiefernwald, dessen angenehmer Geruch uns über mehrere Kilometer begleitet. Im Wald machen wir an einem schattigen Platz eine Pause. Wir knabbern paar Kekse und trinken Wasser. Ich behandele außerdem ausgiebig meine Blasen an den Füssen.

Danach erreichen wir wieder die Küste. Der Wind frischt auf, und vor uns breitet sich erneut die spektakuläre Steilküste des Atlantiks aus. Die Ausblicke sind einfach atemberaubend. Auf einigen der vorgelagerten Felsen entdecken wir Störche mit ihren Jungen in den Nestern – ein faszinierender Anblick und keine Seltenheit hier. Auch heute sind wieder zahlreiche Wanderer auf dem Fischerweg unterwegs, doch die Weite der Landschaft sorgt dafür, dass sich alles angenehm verteilt.
Weniger angenehm entwickeln sich dagegen meine Blasen. Die Schmerzen werden im Laufe des Tages immer stärker. Zwischendurch wechsle ich deshalb die Schuhe und probiere die Sandalen von Ana-Maria aus. Tatsächlich läuft es sich zunächst etwas besser. Doch auch das hilft nur vorübergehend. Schließlich bleibt mir nichts anderes übrig, als wieder in die Sportschuhe zu schlüpfen. Die letzten fünf Kilometer humple ich mehr, als dass ich gehe. Auch Ana-Maria hat zu kämpfen. Ihr Rücken schmerzt vom Tragen des Rucksacks, und die Anstrengung der vergangenen Tage macht sich bemerkbar. Trotzdem ziehen wir gemeinsam durch und erreichen am späten Nachmittag unser Ziel

Die Belohnung wartet in Zambujeira do Mar. Unsere Unterkunft ist wunderschön und genau das Richtige nach dieser kräftezehrenden Etappe. Am Abend gönnen wir uns ein nepalesisches Essen und lassen den Tag entspannt ausklingen. Anschließend mache ich noch einen kurzen Abstecher zum Ortsstrand. Gerade rechtzeitig erreiche ich die Küste zum Sonnenuntergang. Während die Sonne langsam im Atlantik versinkt und den Himmel in warme Farben taucht, endet ein weiterer unvergesslicher Tag auf dem Fischerweg.
Tag 4

Zambujeira do Mar. Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir in die letzte Etappe unserer Wanderung auf dem Fischerweg. Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel, und schon die ersten Kilometer belohnen uns mit spektakulären Ausblicken auf die Atlantikküste.
Doch die vergangenen Tage haben ihre Spuren hinterlassen. Die Blasen an meinen Füßen schmerzen inzwischen beinahe unerträglich. Jeder Schritt erinnert mich daran, dass bereits viele Kilometer hinter uns liegen. Trotzdem stehen noch rund 19 Kilometer bis zum Ziel bevor.
Auch Ana-Maria kämpft mit den Folgen der Wanderung. Ihr Rücken schmerzt nach drei Tagen mit schwerem Gepäck so sehr, dass sie sich entschließt, ihren Rucksack von einem örtlichen Transportservice zum Zielort bringen zu lassen. Eine gute Entscheidung, wie sich schnell herausstellt. Ohne die zusätzliche Last kommt sie deutlich leichter voran, während ich mit meinen schmerzenden Füßen mehr oder weniger hinter ihr her humple.

Wegemarkierungen zeigen uns die Richtung.

Einige der Wege führen etwas abseits der Küste über schöne Pfade entlang. Der Atlantik bleibt dabei meistens ins Sichtweite.

Unterwegs kommt uns diese Beach-Bar mit direktem Zugang zu einem Traumstrand genau richtig. Kaffee, Cappuccino, ein kühles Bier und Radler (Panaché) sorgen für eine willkommene Erfrischung.

Es geht weiter: Die Strecke selbst zeigt sich noch einmal von ihrer schönsten Seite. Immer wieder öffnen sich grandiose Ausblicke auf einsame Strände, die tief unter den hohen Steilküsten - für uns unerreichbar - liegen. An manchen Stellen fällt das Gelände 100 - 200 Meter sehr steil zum Meer hin ab – Schwindelfreiheit ist hier definitiv von Vorteil. Der Atlantik glitzert in der Sonne, die Wellen brechen lautstark an den Felsen und der kräftige Wind begleitet uns wie an den Tagen zuvor. Auch die Störche sind wieder unsere Weggefährten. Mehrfach entdecken wir ihre Nester auf den vorgelagerten Felsen – ein Anblick, der uns inzwischen vertraut geworden ist und doch jedes Mal aufs Neue beeindruckt.

Am späten Nachmittag kommt schließlich Odeceixe in Sicht. Das Endziel scheint zum Greifen nah. Doch zwischen uns und dem Ort liegt die breite Flussmündung. Um sie zu umgehen, müssten wir einen großen Umweg entlang einer Straße in Kauf nehmen. Sechs weitere Kilometer auf Asphalt warten auf uns – wenig reizvoll und nach den Strapazen der vergangenen Tage kaum verlockend.
Nach kurzer Beratung treffen wir eine pragmatische Entscheidung: Genug ist genug. Über Uber bestellen wir einen Fahrer und lassen uns die letzten Kilometer bequem zum Hotel bringen. Wir sind in den vergangenen Tagen mehr als genug gewandert.

Zum Abschluss unseres Abenteuers zieht es mich noch einmal ans Meer. Ich tauche in den kalten, rauen Atlantik ein und lasse die Wellen über mich hinwegrollen. Ein perfekter Schlusspunkt für vier intensive Wandertage auf einem der schönsten Küstenwege Europas – voller grandioser Landschaften, schmerzender Füße, unvergesslicher Eindrücke und gemeinsamer Erlebnisse.

Die Strecke:
Wir sind ca. 75 Kilometer in 4 Etappen über einen Teil des Fischerweges gewandert. Die Länge des gesamten Fischerweges von Sao Torpes bis Lagos beträgt ca. 226 Kilometer. Vielleicht warten schon die nächsten Etappen auf uns.
Reisezeit
Anfang Juni 2026
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